Nach den Herbststürmen in Cadiz ist jetzt wieder das gute Wetter und die Ruhe zurückgekehrt. Nun ja. Ruhe ist relativ, direkt vor meinem Fenster steh ein fetter Kran, der den großen Kran abbaut.
Hmmm.. aber fertig sind die noch lange nicht mit der Markthallensanierung... ob das eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise ist??? Von der bekommt man hier aber auch nichts mit, wenn man so wie
ich die „Cuarenta Principales“ = „Top 40“ im Radio hört und Zeitschriften nicht ins Haus kommen.
Die spanischen Sänger im Radio sind manchmal grauselig, fast so schlimm wie die Karaoke in Granada, dazu später noch was.- Man kann froh sein, wenn Shakira aus dem Radio jodelt, fast alle Charts
sind Schlagerniveau... aber die Sprache machts wieder wett.
Ich merke irgendwie, das die Zeit, die ich an der Uni verbringe, stetig weniger wird und ich glaube ich werde faul.(= Ich hab Donnerstag und Freitag frei, Montag bald nur noch 2 h--- dafür aber
Dienstag und Mittwoch relativ voll. Besser so, irendwie muss ich ja die ECTS-Punkte zusammenkratzen... das ist überhaupt das Hauptthema, wenn man auf einer Erasmusparty ist, und wann man denn
wieder irgendwo hin fährt. Erasmusparties sind meinerseits ziemlich rar, weil ich mich dann doch ziemlich aus diesem Kreis raushalte und mit den Spaniern lieber unterwegs bin.. ausserdem bin ich
gern zuhause, spiel Gitarre oder schreibe. Ein wenig Zeit für mich ist nach dem letzten Jahr in Greifswald doch gut und nötig. Einen voll gepackten Stundenplan und wenig Freizeit hatte ich lang
genug. Und trotzdem ich wenig mache, ist meine Energie relativ bald aufgebraucht, ob das an der Sprache liegt oder einfach an meiner Faulheit hab ich noch nicht rausbekommen... vielleicht muss ich
auch mal eine Siesta einführen... GUTE idee!(=
Weshalb ich in Granada war, fragst du dich? Hihi, ich hab mich für ein Stipendium beworben, und es bekommen. In Granada war ein Kongress zu „Freiwillige in Andalusischen Universitäten“ und meine
Uni hat 35 Stipendien vergeben, für Studenten, die schon mal freiwillig gearbeitet haben und derzeit in einer Freiwilligenorganisation tätig sind. Hab mich auf gut glück mit spanischer Bewerbung
und Lebenslauf beworben und am Dienstag die Nachricht bekommen, das ich am Mittwoch um 17 Uhr nach Granada fahren werde, Transport, Mittagessen und Unterkunft inklusive, Abfahrt gegenüber der
„Residencia“. Nach einer Stunde Durch-die-Wohnung-springen hab ich festgestellt, das ich gar nicht weiss, wo denn die Residencia ist. Residencia heißt so viel wie Altenheim oder Unterkunft und
davon gibt es 10 in Cadiz. Eine Bushaltestelle müsste ja auch in der Nähe sein, das begrenzte das ganze dann auf 3. Eine Mail und einen Tag später hab ich erfahren, das die Gaditaner das
Krankenhaus die „Residencia“ nennen, was aber kein Nicht-Gaditaner wissen kann. Nunja. Die Spanier aud den anderen Ecken Spaniens hatten auch Probleme(=, aber ich blieb die einzige
Erasmusstudentin, was mir drei Tage fast ausschließlich Spanisch-sprechen beschert hat.
Am ersten Tag fuhren wir 6 h mit zu kalt gestellter Klimaanlage, ich mit ziemlichem Schlafmangel, wegen der Geburtstagsparty eines Italieners am Vortag und Uni um 8:30 bis 15 Uhr, an Schlaf war
wegen der Kälte nicht zu denken, und nach dem dritten Mal bitten um ein paar Grad mehr im Bus hab ichs aufgegeben. So durfte ich dann Ivan, Paco und Maria kennenernen, die ich dann auch die
nächste Tage fast ständig um mich hatte.
In Granada angekommen, durfte ich feststellen, das mit meinem neuen Fast-veganen Essstil in diesem Land nicht viel zu holen ist. (Im Moment ess ich keine Milchprodukte, um auszuprobieren, ob ich
eine Laktoseunverträglichkeit habe---ich hoffe nicht, ich LIEBE Käse.../-: ). Die Tapas in der ersten, sowohl in der zweiten Bar bestanden so gut wie ausschließlich aus Brot für mich, mit Hunger
eine schlechte Sache. Da mussten dann doch die Langustinos für mich herhalten((= *lecker * . Völlig kaputt schleppte ich mich dann durch die Stadt hinter der Gruppe von Bar zu Bar her und
beschloss dann um 2, doch mal nach Hause zu gehen. Das im mit ein paar Leuten im Nachbarzimmer weiterfeierte, wird jetzt mal nicht erwähnt...(-;
Der Unterschied zu den Spaniern bestand dann darin, das ich auch wirklich zur ersten Konferenz erschien. Nach 10 Stunden Konferenz hatte ich dann genug gehört, wie gut denn ein Freiwilliger ist,
das er einen großen Beitrag leistet und viel bei seiner Arbeit lernt. So gut wie nichts neues war dabei, nur der „Markt der Möglichkeiten“ am Rande der Veranstaltung gefiel mir. Am Abend dann
wieder Tanzen, Feiern, Trinken, Karaoke, Shisha(ganz typisch für Granada), Tapas(und diesmal auch vegan!!!) und meinerseits etwas mehr Energie, zu feiern(=
den nächsten Tag hab ich dann nur halb an den Konferenzen teilgenommen und mir mit einer zu großen, das heisst einer sich zu langsam fortbewegenden Gruppe, Granada angeschaut. Ich liebe die Stadt
und der ausblick auf die Schneebedeckte Sierra Nevada... Herrlich.. (siehe mein Studivz-profilbild(-;) Dazu noch wunderbar warmes Wetter und nette Leute. Was will ich mehr???
Am Abend durfte ich dann Martin aus Greifswald treffen und zwei Welten prallten für mich zusammen. Obligatorisch wieder einmal Tapas essen und dann durfte ich mich auch mal in einer Karaokebar
ausprobieren. Wenn man sich nur hören würde, wär das ganze ein wenig leichter(-;
Die Müdigkeit kam nach drei Tagen Schlafmangel nicht mehr und das musste dann ausgenutzt werden, mit Tanzen und Trinken. Die „Chupitos“(Shots) find ich einfach mal richtig lecker hier. Am
liebsten mag ich Wodka mit Malibu und Brombeersirup... Hmm((=
Die Rückfahrt nach Cádiz war statt von vielen Unterhaltungen eher von schlafenden, müden Menschen dominiert und die Klimaanlage war diesmal auch etwas wärmer. Plötzlich wach waren erst alle, als
wir in Gibraltar einen Bordstein mitnahmen. Ein unheilvolles Geräusch beim Fahren und eine Vordertür, die nicht mehr schloss, waren die Folgen. Als dann beim Untersuchen des Busses ein mehr als
Faustgroßer Stein unter der Tür herausgeholt wurde und das Klimaanlagenwasser auslief, bezweifelte ich ernsthaft die baldige Weiterfahrt nach Cádiz, aber die kundigen Hände der Beiden Busfahrer
und ein unglaublich großes Stemmeisen, mit dem die Tür wieder zurechtgebogen wurde, sorgten dafür, das wir gut ankamen. Weshalb wir aufsetzten, hab ich nicht verstanden, ich glaub wir sind zu
schnell über einen „Toten Polizisten“ gefahren...
Ein wunderschöner Ausflug und hoffentlich der Auftakt zu vielen vielen Ausflügen mehr, ich hab Lust, mehr als nur Cadiz zu sehen. Ich muss noch deutlich mehr Spanisch lernen, den Basken, der
mitwar, hab ich so gut wie kaum verstanden, nur die „generelle Idee“, wie ich ihm antwortete, als er mich fragte, ob ich überhaupt etwas versteh.
Und was ich noch gelernt hab: Spanier lieben Witze. Schon auf der Hintour wurde das Bus-Mikro für diverse Scherze und Witze missbraucht, und die Rücktour war schlimmer. (-;
Völlig fertig und zufrieden bin ich jetzt und schwänze grad die Uni, eine Stunde Uni wägt sich nicht mit 2 h Fahrt zur Uni auf... Ausserdem war heute der Tag, an dem ein großer Flohmarkt direkt
vor meiner alten Wohnung ist. Musste ich mir auch mal anschaun.(-;
Ich hoffe euch geht’s gut und ich schicke euch Sonne
Die Hannah